Pflanzliche Proteine: Wie ernährt man sich ausgewogen vegan, ohne das Risiko von Mangelerscheinungen?
Eine vegane Ernährung kann ausgewogen sein, sofern sie gut geplant ist. Durch den Verzicht auf alle Lebensmittel tierischen Ursprungs werden bestimmte Nährstoffe schwerer zu decken. Es ist daher wichtig, die guten Quellen für Proteine, essenzielle Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe zu kennen.
Umgekehrt zeigen zahlreiche Studien, dass eine gut zusammengestellte pflanzliche Ernährung mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und bestimmte Krebsarten verbunden sein kann.
Die Vorteile pflanzlicher Proteine
Proteine sind für den Körper unverzichtbar. Sie tragen insbesondere bei zu:
- dem Aufbau und Erhalt der Muskelmasse;
- der Produktion von Enzymen und Hormonen;
- der Funktion des Immunsystems;
- dem Transport von Sauerstoff;
- der Reparatur von Gewebe;
- dem Sättigungsgefühl.
Entgegen einer verbreiteten Annahme sind Proteine nicht nur in Lebensmitteln tierischen Ursprungs enthalten. Sie kommen natürlicherweise in vielen Pflanzen vor: Hülsenfrüchten, Getreide, Soja, Nüssen, Samen oder auch bestimmten Pilzen.
Den Fleischkonsum zugunsten pflanzlicher Proteine zu reduzieren, kann dazu beitragen, die Gesamtqualität der Ernährung zu verbessern. Pflanzliche Lebensmittel liefern außerdem Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe, Antioxidantien und zahlreiche nützliche sekundäre Pflanzenstoffe.
Worauf man bei einer veganen Ernährung achten sollte
Proteine und die 9 essenziellen Aminosäuren
Proteine bestehen aus Aminosäuren. Von diesen gelten 9 als essenziell, da der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Sie müssen daher über die Ernährung zugeführt werden.
Im Gegensatz zu tierischen Proteinen sind einige pflanzliche Proteine ärmer an bestimmten Aminosäuren, insbesondere Lysin und Methionin.
Das bedeutet nicht, dass sie von schlechter Qualität sind. Es genügt einfach, die Proteinquellen im Laufe des Tages oder idealerweise innerhalb einer Mahlzeit zu variieren.
Die sinnvollsten Kombinationen sind:
- Getreide + Hülsenfrüchte;
- Hülsenfrüchte + Samen;
- Getreide + Soja.
Soja in Form von Tofu, Tempeh, Edamame oder Sojadrink stellt eine bemerkenswerte Ausnahme dar: Es enthält von Natur aus alle 9 essenziellen Aminosäuren und kann als vollständiges Protein gelten.
Omega-3
Pflanzliche Omega-3-Fettsäuren liegen in Form von ALA, also Alpha-Linolensäure, vor. Diese Fettsäure ist essenziell, da der Körper sie nicht selbst herstellen kann.
Man findet sie hauptsächlich in:
- Raps-, Lein-, Walnuss-, Hanf- und Leindotteröl;
- Leinsamen;
- Walnüssen;
- grünem Blattgemüse.
ALA ermöglicht es dem Körper, einen Teil von EPA und DHA zu bilden, zwei Formen von Omega-3, die für die Herz-Kreislauf-, Entzündungs- und Stoffwechselgesundheit wichtig sind.
Vitamin B12
Vitamin B12 ist der wichtigste Nährstoff, der in nicht angereicherten pflanzlichen Lebensmitteln fehlt. Es ist unverzichtbar für:
- die Funktion des Nervensystems;
- die Bildung der roten Blutkörperchen;
- die Synthese der DNA.
Bei Veganern ist eine Supplementierung oder der regelmäßige Verzehr von mit Vitamin B12 angereicherten Lebensmitteln unverzichtbar.
Eisen
Pflanzliches Eisen wird schlechter aufgenommen als das Eisen in tierischen Produkten. Zu den besten pflanzlichen Quellen gehören insbesondere:
- Linsen;
- Kichererbsen;
- Bohnen;
- Tofu;
- Soja;
- Spinat;
- Cashewnüsse.
Diese Lebensmittel mit einer Vitamin-C-Quelle wie Zitrone, Paprika, Kiwi oder Zitrusfrüchten zu kombinieren, verbessert die Aufnahme von pflanzlichem Eisen erheblich.
Zink
Zink ist an der Immunabwehr, dem Wachstum, der Wundheilung und dem Zellstoffwechsel beteiligt.
Die besten pflanzlichen Quellen sind:
- Kürbiskerne;
- Tahini;
- angereichertes Getreide;
- Cashewnüsse;
- Linsen;
- Kichererbsen;
- Tofu;
- Tempeh.
Die besten Quellen für pflanzliches Protein
Soja
- Tofu;
- Tempeh;
- Edamame;
- Sojadrink.
Hülsenfrüchte
- Linsen;
- Kichererbsen;
- rote Bohnen;
- schwarze Bohnen;
- Dicke Bohnen.
Proteinreiches Getreide
- Seitan;
- Dinkel;
- Teff;
- Vollkornweizen.
Nüsse und Samen
- Mandeln;
- Cashewnüsse;
- Hanfsamen;
- Chiasamen;
- Leinsamen.
Weitere Quellen
- Mykoproteine;
- Spirulina;
- Quinoa.
Top 5 der pflanzlichen Proteine pro 100 g
| Lebensmittel | Protein pro 100 g | Warum es interessant ist |
|---|---|---|
| Seitan | Etwa 75 g | Sehr proteinreich, interessant als Fleischersatz, aber nicht für glutenempfindliche Personen geeignet. |
| Soja | Etwa 36 g | Enthält alle 9 essenziellen Aminosäuren und kann als Tofu, Tempeh oder Edamame verwendet werden. |
| Gekochte Linsen | Etwa 25 g | Reich an Protein, Ballaststoffen, Eisen und Mineralstoffen, leicht in Mahlzeiten einzubauen. |
| Mandeln | Etwa 25 g | Liefern Protein, gute Fette, Magnesium und Ballaststoffe. |
| Quinoa | Etwa 14 g | Enthält von Natur aus alle 9 essenziellen Aminosäuren und ergänzt Hülsenfrüchte gut. |
Achtung: Der Proteingehalt allein reicht nicht aus, um die ernährungsphysiologische Qualität eines Lebensmittels zu bestimmen. Man muss auch das Profil der essenziellen Aminosäuren, die Verdaulichkeit, den Gehalt an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen sowie die tatsächlich verzehrte Portion berücksichtigen.
Wie gestaltet man einen ausgewogenen veganen Tag?
Eine ausgewogene vegane Ernährung beruht vor allem auf Vielfalt. Jeder Tag sollte idealerweise kombinieren:
- eine Proteinquelle bei jeder Mahlzeit;
- Hülsenfrüchte mehrmals pro Woche;
- Vollkorngetreide;
- Nüsse und Samen;
- Öle, die reich an Omega-3 sind;
- eine Vielfalt an Obst und Gemüse;
- eine zuverlässige Vitamin-B12-Quelle.
Das Ziel ist nicht, ein einziges perfektes Protein zu suchen, sondern verschiedene Lebensmittel zu kombinieren, um den Bedarf an Proteinen, essenziellen Aminosäuren und Mikronährstoffen auf natürliche Weise zu decken.
Fazit
Eine vegane Ernährung kann den Nährstoffbedarf vollständig decken, wenn sie gut geplant ist.
Pflanzliche Proteine bieten zahlreiche Vorteile für Gesundheit und Umwelt, sofern man die Nahrungsquellen variiert und bestimmten Nährstoffen wie Vitamin B12, Eisen, Zink und Omega-3 besondere Aufmerksamkeit schenkt.
Das Ziel ist nicht einfach nur, tierische Proteine zu ersetzen, sondern eine vielfältige, ausgewogene und nachhaltige pflanzliche Ernährung aufzubauen.